
BIOGRAFIE TOM FRÖHLICH
Tom Fröhlich, geboren am 01.02.1989 wuchs in der Hansestadt Rostock auf. Nach dem Zivildienst zog er nach Leipzig, um beim Mitteldeutschen Rundfunk eine Berufsausbil- dung zum Mediengestalter Bild und Ton zu absolvieren. Nach ersten Kurzfilmprojekten entscheidet er sich für das Studium „Digital Media – Motion Pictures“ an der Hochschule Darmstadt.
Heute arbeitet Tom Fröhlich als freier Dokumentarfilmregisseur.
FILMOGRAFIE TOM FRÖHLICH (AUSWAHL)
2019 Das Perfekte Schwarz DOK/ Die Suche nach der Vielfalt im Schwarz Regie / Fertigstellung/ Produktion: Neue Celluloid Fabrik Leipzig
2017 Ink of Yam / Buch und Regie / Debüt- und Abschlussfilm
2016 Nordreportage „Die Europameister aus Rostock –Inklusionsfußball im Traditions- verein“ / Autor / ausgestrahlt im NDR / Eins Plus
2014 Paradies irgendwo in Brandenburg / Spielfilm – Drei Rentner versuchen ihren Gar- ten, das Paradies, zu retten / Regie und Buch / Festivals: Neisse Filmfestival / Filmfestspiele Selb / Boddinale Berlin
2013 Wir waren Meer / DOK / Die Geschichte der letzten Hochseefischer der DDR – Regie – in Produktion
Statement des Regissuers Tom Fröhlich
Neben mir liegt Nuriel und bekommt ein Frauengesicht tätowiert. In seiner Mimik sieht man den Schmerz nach jedem einzelnen Nadelstich. Während er weiter in aufgeregtem Hebräisch mit seinem Tätowierer Poko spricht, frage ich mich, was ich hier eigentlich mache.
Nuriel ist seit seiner Jugend spielsüchtig, hatte mit sechzehn Jahren 250.000 Euro Schulden. Um sich besser zu fühlen, müsste er eigentlich mal raus. Er hält es in Israel schon lange nicht mehr aus. Aber er kann nicht weg, seine Mutter hat Krebs. Wie soll er da gehen? Er spricht über seine Kindheit in Jerusalem, seinen Job als Verkäufer, sein Partyleben und seine Sucht, während Poko einen Nadelstich neben den nächsten setzt.
Das Tattoo-Studio wird zu einem Beichtstuhl. Die beiden Freunde reden wie in Trance. Die Räume, in denen Poko und Daniel ihre Kunden tätowieren sind keine sieben Quad- ratmeter groß und doch voller Gedanken über Existenz, Angst, Glück und Konflikte, in dieser Stadt, die so schwer zu verstehen ist. In diesen Räumen sitze ich gemeinsam mit meinem Kameramann Tag für Tag, immer umgeben von dem lauten Surren der Nadel und dem Geruch nach Desinfektionsmittel.
Tag für Tag erzählen mir Poko und Daniel und ihre Kunden von ihrem Leben. Ihre Ge- schichten geben mir einen tiefen Einblick in das Leben von Jerusalem, einen Zugang zu den alles bestimmenden Konflikten in Israel und schließlich auch eine Idee der verschie- denen Sichtweisen auf Gott und Religion.
Der Film ist streng strukturiert, jedes Gespräch ist in Kapitel unterteilt. Diese Einteilung war uns in der Montage enorm wichtig – man sagt, dass Menschen, die von der Stadt und ihren tausenden Eindrücken verschluckt werden, irgendwann das Jerusalem Syn- drom bekommen. Wir haben das für uns im Prozess immer wieder gespürt – die Heraus- forderung, nicht in allen Puzzleteilen dieser Thematik zu versinken.
Ich will mit INK OF YAM einen alternativen Zugang geben, sich mit der Stadt, Religionen und Konflikten zu beschäftigen; den Zuschauer eintauchen lassen in all das, was die Bil- der auf der Haut beschreiben. Tattoos müssen nicht immer eine Bedeutung haben, aber sie können eine Brücke sein.