Barstow California

Dokumentarfilm von Rainer Komers

Demnächst im Kino

Die Geschichte

»Meine Haut fühlt sich warm und lebendig an, diesen September in San Quentin. Als wäre ich eine Eidechse, die sich auf einem großen Stein sonnt.« Das sagt die Stimme des Dichters und Häftlings Spoon Jackson, während wir auf Landschaftsbilder der sonnendurchtränkten Mojave-Wüste in Kalifornien schauen.

Der Film Barstow, California (der Geburtsort von Spoon Jackson) ist sowohl ein ergreifendes Portrait der kalifornischen Wüste und des in ihr eingeschriebenen Lebens als auch eine Begegnung mit Jackson, der seit 1977 in zahlreichen Gefängnissen in lebenslanger Haftstrafe einsitzt. Komers lässt Jackson Passagen aus dessen Autobiographie verlesen, die wir im Off hören, ohne ihn selbst je ins Bild zu bringen.
Stattdessen sehen wir eine virtuose und überraschende Kollage von kinematographisch eindrucksvollen Landschafts-bildern der Gegend, in der Jackson seine kurze Kindheit und Jugend verbrachte. Diese wird uns mitunter vorgestellt von zwei der 14 Brüder Jacksons, die in Freiheit leben und Auskunft geben über eine Familiengeschichte, die geprägt ist von Armut, Gewalt, Einsamkeit und Rassismus. All das wird verhandelt, ohne je ins Zentrum gerückt zu werden: So entsteht ein Bild von Spoon Jackson aus kleinen und kleinsten Teilen, die nie zu eindeutig, nie zu klar, nie zu einfach sich zueinander fügen und gerade darin den Mensch wie den Ort zum Schillern bringen.

Dokumentarfilm · 76 minutes · 4K · colour · 5.1 · Germany / USA 2018

director & camera: Rainer Komers
assistant: Abraham Jackson
sound: Michel Klöfkorn
over voice: Spoon Jackson
recorded by: Michel Wenzer
editor: Gregor Bartsch
sound editor: Oscar Stiebitz
sound mix: Pierre Brand
grading: Timm Kröger
production: kOMERS.film strandfilm
funding : Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein – Film und Medienstiftung NRW – Hessen Film und Medien – Medienboard Berlin-Brandenburg

Die Kinotermine kommen bald! 

Visions du Réel, Nyon / Switzerland (World Premiere)

Viennale – Vienna International Film Festival

https://www.viennale.at/de/film/barstow-california

Duisburger Filmwoche / Germany (Deutsche Premiere – ARTE Dokumentarfilmpreis)

»Meine Haut fühlt sich warm und lebendig an, diesen September in San Quentin. Als wäre ich eine Eidechse, die sich auf einem großen Stein sonnt.« Das sagt die Stimme des Dichters und Häftlings Spoon Jackson, während wir auf Landschafts-bilder der sonnendurchtränkten Mojave-Wüste in Kalifornien schauen.

Der Film Barstow, California (der Geburtsort von Spoon Jackson) ist sowohl ein ergreifendes Portrait der kalifornischen Wüste und des in ihr eingeschriebenen Lebens als auch eine Begegnung mit Jackson, der seit 1977 in zahlreichen Gefängnissen in lebenslanger Haftstrafe einsitzt. Komers lässt Jackson Passagen aus dessen Autobiographie verlesen, die wir im Off hören, ohne ihn selbst je ins Bild zu bringen.
Stattdessen sehen wir eine virtuose und überraschende Kollage von kinematographisch eindrucksvollen Landschafts-bildern der Gegend, in der Jackson seine kurze Kindheit und Jugend verbrachte. Diese wird uns mitunter vorgestellt von zwei der 14 Brüder Jacksons, die in Freiheit leben und Auskunft geben über eine Familiengeschichte, die geprägt ist von Armut, Gewalt, Einsamkeit und Rassismus. All das wird verhandelt, ohne je ins Zentrum gerückt zu werden: So entsteht ein Bild von Spoon Jackson aus kleinen und kleinsten Teilen, die nie zu eindeutig, nie zu klar, nie zu einfach sich zueinander fügen und gerade darin den Mensch wie den Ort zum Schillern bringen. Herzlichen Glückwunsch Rainer Komers!
November 2018 – Begründung der Jury: Alejandro Bachmann, Pepe Danquart, Antje Ehmann

Kasseler Dokfest

 blicke – filmfestival des ruhrgebiets

Unwirtliche Lebensbedingungen: Trockenvegetation, Hitzeflimmern, Wüstenstaub – hier halten die Güterzüge schon lange nicht mehr. Ein Landstrich als Projektions- und Resonanzraum für seine Bewohner wie für uns als Zuschauer; und für die stimmliche Präsenz eines Abwesenden, eines Weggesperrten. Die sprachlichen Bilder dieses Dichters verklingen nicht an den Topographien als bloße Illustrationen, sie überlagern sie, stoßen sich von ihnen ab, nur um wieder zu ihnen zurückzufinden; sie berichten von besseren Zeiten, von verlorener Unschuld, von Armut und rassistischer Unterdrückung. Rainer Komers’ Engagement für die Anerkennung des inhaftierten afroamerikanischen Lyrikers Spoon Jackson hat uns inspiriert und tief berührt. Wir möchten Barstow, California deshalb lobend erwähnen. Preisjury blicke – filmfestival des ruhrgebiets

Filmfestivals 2018 

Big Sky Documentary Film Festival / USA

http://www.bigskyfilmfest.org/festival/films-2019-peak/barstow_california

Lichter Filmfest, Frankfurt

https://lichter-filmfest.de/programm/filmprogramm-2019/barstow-california/

Lobend erwähnen möchten wir Rainer Komers’ ethnografisches Gedicht Barstow, California. Das dokumentarische Porträt über die kleine Stadt an der Route 66 ist ein Gesamtkunstwerk: Gedichte des Lyrikers und verurteilten Mörders »Spoon« Jackson, stimmungsvolle Aufnahmen aus der Mojave-Wüste und der Ton flirrender Gleise verweben sich zu einem filmischen Abgesang auf eine vergessene Gegend, deren glorreiche Vergangenheit nur noch in den bisweilen utopisch anmutenden Erinnerungen aufblitzt. Komers beherrscht dabei die hohe Kunst der Zurückhaltung: Bescheiden beobachtet er die Gegenstände und Figuren seines Interesses, um in der Collagierung der Bilder und Töne als zärtlicher Komponist sichtbar zu werden. Um Spoon zu paraphrasieren: ein Film, der Herzen und Gedanken öffnet like windows and doors. Jenny Schily, Birgit Gamke, Susanne Heinrich – Jury Lichter Filmfest Frankfurt

 

Dokumentarfilmwoche Hamburg

https://dokfilmwoche.com/de/project/barstow-california/

Von der Kunst seines Protagonisten war [auch] der Dokumentarfilmer Rainer Komers fasziniert. Der Afroamerikaner Spoon Jackson sitzt seit 1976 wegen Mordes lebens-länglich im Gefängnis. Dort hat er sich in einen gefeierten Poeten verwandelt. In seiner Autobiografie erzählt er von seiner Kindheit und Jugend in einem kleinen Kaff in der Mojave Wüste. In Barstow, California (4. 4., Metropolis) zeigt Komers zu dessen Worten die Wüstenlandschaften seiner Heimat. Von vielen der in seinen Texten beschriebenen Orte sind nicht mal Ruinen übrig. Zwei von Jacksons Brüdern finden an der Stelle, an der einmal sein Elternhaus stand, nur noch ein Stück Plastikrohr und die Stahlfedern einer Matratze. Sie erzählen von der Armut, in der sie aufwuchsen und davon, dass sie plötzliche Fluten in der Wüste nur überlebten, weil sie mit dem Auto auf Hügel flüchteten. Die zugleich sachliche und poetische Art, in der Komers hier US-ameri- kanische Provinz porträtiert (mit Kindern, die auf einem Truppenübungsplatz dazu ermuntert werden, mit riesigen Maschinengewehren zu schießen und der Kundschaft einer Bar in einer Geisterstadt), erinnert an die Filme von Hartmut Bitomsky.
Wilfried Hippen – taz Berlin.

Achtung Berlin (Preis: »Bester Dokumentarfilm«)

https://achtungberlin.de/wettbewerb/dokumentarfilm-2/barstow-california/

Der Film beginnt im Schwarz. Wir hören eine schwere Tür zufallen, ein Schlüssel dreht sich im Schloss. Eingeschlossen, weggesperrt. Barstow, California nimmt uns mit in die Welt von Stanley »Spoon« Jackson, der uns im Off aus seiner Autobiographie »By Heart« vorliest, geschrieben im Gefängnis, in dem er seit seinem 19. Lebensjahr einsitzt, ohne Aussicht auf Entlassung. Und dann das erste Bild: Endlose Weite. Die kalifornische Mojave-Wüste, Stanley Jacksons Heimat. Wir sehen ein anderes Amerika, als das der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Menschen, denen Regisseur Rainer Komers begegnet, erzählen Geschichten, die mit Alltag und Gewalt, mit Gemeinschaft und Gesellschaft zu tun haben. Hier endet die Route 66 am Horizont. Wir treffen eine Frau, die in einem Motel am Highway arbeitet und davon träumt wegzuziehen, einen Mann, der in seinem Auto lebt, und die Chefin einer Bar, in der es weniger Gäste als Fotos verstorbener Stammkund*innen gibt. Sie alle sind genauso gefangen wie »Spoon«.

Barstow, California ist ein Film, der sich einer eindeutigen Interpretation entzieht und uns doch gekonnt und bewusst führt. Er hat uns eingenommen durch seine sensible Kameraführung, seine kluge Montage, die Menschen und Orte in narrative Zusammenhänge bringt, und durch seine tiefe Menschenliebe.

Begründung der Jury Dokumentarfilm – Carlotta Knittel, Tobias Büchner, Verena Neumann

San Francisco DocFest

https://sfindie.com/festivals/sf-docfest/

Regiekommentar noch nicht vorhanden.

Rainer Komers (geb. 1944) lebt als Regisseur und Autor in Berlin und Mühlheim an der Ruhr. Filmprojekte führten ihn u. a. nach Alaska, Indien, Japan, Jemen, Lettland und Montana.

Seine filmischen Gedichte leben von einer visuellen Faszination für die Moderne und ihre industrielle und urbane Ästhetik, die er neu kontextualisiert und dabei die vielfältigen Interdependenzen von Mensch und Natur untersucht. Der jeweilige Ort selbst wird so zum Sprechen gebracht. Für sein filmisches Schaffen erhielt Rainer Komers zahlreiche Preise. U.a. gewann er mit seinem Film „Barstow, California“ (2018) bei der Duisburger Filmwoche den ARTE Dokumentarfilmpreis.

Der 74-jährige Komers arbeitet zuerst als Kameramann für Klaus Wildenhahn. Sein Stil hat sich zwischen dem Dokumentarischen und der bildenden Kunst eine eigene Schneise geschlagen: eine

Kamera-Lyrik ist näher an Robert Frank als an James Benning, mit dem er inzwischen oft verglichen wird. Seine Arbeiten sind im Ausland ungleich bekannter als hierzulande, und

in Duisburg versteht man auch sofort, warum: Nur wenige Dokumentarfilmer haben die Ausdauer, sich den Rastern einer normativen Ästhetik zu entziehen, wie sie die deutschen

Fernsehformate aufrecht erhalten. Der selbst als Lyriker renommierte Komers, der bereits für eine Buchausgabe Jacksons Werke ins Deutsche übertrug, hat darauf verzichtet, Jackson in der Haft zu filmen. „Alles an einem Gefängnis ist erniedrigend, es ist nicht möglich, ein würdiges Bild aufzunehmen“, sagt er.

documentary · 76 minutes · 4K · colour · 5.1 · Germany / USA 2018

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