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Hintergrund Florian Homm: 

Florian Homms Lebenslauf ist für einen Oberurseler Sohn wahrscheinlich einzigartig: Basketball-Nationalspieler, Harvard-Absolvent, Bankdirektor, Vorstand, Unternehmer, Wagniskapital-Experte, zuweilen einer der reichsten Deutschen laut «Manager Magazin». Diplomat, Charity-Millionenspender in Liberia, sechssprachig und zuletzt Bestsellerautor. So etwas finden wir vielleicht nicht nochmal in Deutschland. Damit hören aber die Parallelen auf und eine ganz andere Welt tut sich auf: Homm ist Opfer eines Attentats in Venezuela mit einer Kugel, die immer noch in seinem Rückgrat steckt. Lifestyle-Exzesse, Investitionen in Nachtclubs und Bordelle passen nicht in das klassische Bild eines arrivierten Hochfinanziers aus der Neckermann-Dynastie. Erfolgreiche Baisse-Spekulationen und Firmenraids ecken in der gesättigten und selbstgefälligen Deutschland AG an. Homm ist wie seine Schwester Barbara († 2006) an Multipler Sklerose erkrankt. Knapp ein Jahr wird er von Kopfgeldjägern und Detektiven weltweit verfolgt. 2013 und 2014 verbringt er, größtenteils unter lebensbedrohenden und menschenunwürdigsten Bedingungen, in italienischen Gefängnissen. Heute steht er auf der Most Wanted Liste des FBI.

2007 wendet er sich ab von der Welt der Schönen und Reichen, dem Luxus, dem Geld, der Macht. Selbst seiner Familie kehrt er den Rücken, um einen Sinn für sein Dasein zu finden. Die Veränderung braucht Zeit, aber vor allem die schweren Prüfungen der letzten Jahre führen Homm zu einem dramatischen Lebenswandel, einer Bekehrung, einer diametral entgegengesetzten Werte-Skala zu seinem Vorleben als absoluter Kapitalist und Erfolgsmensch.

Links: Website Florian Homm | Florian Homm spricht Klartext (Youtube) | Bücher von Florian Homm (u.a. «225 Jahre Knast» und «Kopf Geld Jagd») | Filmgespräche mit Florian Homm  .

 

Regisseurin Lauren Greenfield über ihren Film: 

«Jeder will reich sein», sagte mir einst der amerikanische Timesharing-Milliardär David Siegel in meinem Film «The Queen of Versailles». «Wenn sie nicht reich sein können, wollen sie sich reich fühlen – und wenn sie sich nicht reich fühlen wollen, dann sind sie wahrscheinlich tot.» Und als er hinzufügte «Geld macht dich nicht glücklich, es macht dich nur unglücklich in dem besten Viertel der Stadt», inspirierte er mich zu einem tieferen Blick in das, was ich den Einfluss des Überflusses nenne und was schlussendlich zu meiner Arbeit «Generation Wealth» führte.

Wenn Amerikas höchster Staatsdiener – der Präsident – ein Immobilienhai und Reality-TV-Star ist, dessen Penthouse einen 24-Karat-Gold-Anstrich hat, würde ich sagen, dass wir den kapitalistischen Kapitalismus erreicht haben. Im Grunde hat meine Nation, und damit der Rest des Westens – wenn nicht die ganze Welt – ihren moralischen Kompass verloren. Unser Verlangen zu konsumieren zehrt an uns. Wir haben immer das Gefühl, dass wir so wie wir sind, nicht richtig sind, dass wir mehr brauchen, dass wir mehr kaufen müssen, dass die anderen glücklicher sind. Angetrieben von der suchterzeugenden Natur der Populärkultur vergleichen wir uns mit Prominenten, mit denen wir mehr Zeit verbringen als mit unseren eigentlichen Nachbarn.

Es ist alles die Schuld von Instagram, richtig? Nun, nein. Als Fotografin und Filmemacherin habe ich seit den 90er Jahren Fragen zum Materialismus, zum Kult um Prominente und zum Präsentationsstatus gestellt. Für mein erstes Buch «Fast Forward: Aufwachsen im Schatten von Hollywood» (1997) untersuchte ich den frühen Verlust der Unschuld in unserer mediengesättigten Kultur. Dieser Drang, Jugendkultur, Geschlecht und Konsum zu beschreiben, war der gemeinsame Nenner in all meinen späteren Projekten, entweder durch Fotografie («Girl Culture») oder Dokumentarfilme («Thin», «Kids + Money» und «The Queen of Versailles»). 

Erst in der globalen Finanzkrise von 2008 wurde mir klar, dass die Geschichten, zu denen ich mich hingezogen fühlte, Teil einer gemeinsamen Erzählung waren. Einige prominente Charaktere schienen die gleichen Fehler zu machen und unheimliche ähnliche Konsequenzen zu erleiden. David Siegel und seine Frau Jackie (das Thema in «The Queen of Versailles») machten sich daran, das größte Haus in Amerika zu bauen – das aber letztendlich zwangsversteigert wurde. Playboy-Hedgefonds-Manager Florian Homm fand sich ohne Bankkonto und auf der Flucht vor dem FBI wieder: Der vom Cheerleader verwandelte Pornostar Kacey Jordan, berühmt für die 36-stündige Party mit Charlie Sheen, rutschte in Abhängigkeit und dann in den Bankrott. 

Für mich war die Finanzkrise wie eine zutiefst moralische Angelegenheit, und ich fühlte mich dazu gedrängt, sie zu dokumentieren. «Generation Wealth» ist das Endergebnis von drei Jahrzehnten Arbeit und die Erkenntnis, dass keiner von uns immun ist gegen die süchtig machende Natur unserer Konsumkultur – mich eingeschlossen. Ursprünglich geplant als Buch, bearbeitete ich im Laufe meiner Karriere mehr als eine halbe Million Bilder, nahm mehr als 50.000 neue Bilder auf und führte über 500 Interviews. In der Mitte der Arbeit am Buch habe ich beschlossen, «Generation Wealth» in einen Dokumentarfilm zu verwandeln

Gibt es ein Muster, eine Erkenntnis? Meine eigene Arbeitsmoral war obsessiv geworden. Je mehr ich hatte, desto mehr wollte ich, und je mehr ich dachte, dass ich es brauchte, ging dies oft auf Kosten meines wertvollen Familienlebens. Mein Verhalten war ein Nebenprodukt der gesellschaftlichen Probleme, die die Menschen, die ich dokumentierte, betrafen. Ihre Triebe und Ambitionen waren zerstörerischer als meine, aber es gab eine bestimmte Parallele hinsichtlich des Suchtverhaltens. Ich jagte nicht Geld oder dem perfekten Körper nach, aber ich war immer auf der Suche nach mehr und mehr. Arbeit (und damit Erfolg) ist eine Sucht wie jede andere. Mehr oder weniger folgen wir einem giftigen Traum und tanzen mit Hingabe auf dem sinkenden Deck der Titanic. 

Wie die Menschen in «Generation Wealth» habe ich eine wichtige Lektion gelernt. Obwohl ich alles hatte, was ich brauchte, hatte ich immer noch nicht das Gefühl, genug zu haben. Aber ich entdeckte auch, dass es unmöglich ist, das Verlangen nach etwas zu stillen, das man nicht hat. Das ständige Streben nach mehr ist unendlich und bringt uns dazu, die Dinge zu opfern, die am wichtigsten sind: Familie, Gemeinschaft, Prinzipien, Wohlbefinden.