„Wenn ich tatsächlich eine Freiheitskämferin bin, ist die Freiheit, die ich gewonnen habe, gleichzeitig das größtes Scheitern meines Lebens. Srbijanka Turajlić

 

Eine Familie wird nach dem 2.Weltkrieg enteignet, ihre Wohnung in Belgrad aufgeteilt.

Die Tür, die 70 Jahre verschlossen blieb, bildet den Ausgangspunkt einer familiären, politischen und historischen Chronik. Es handelt sich um die Familie der Regisseurin, verkörpert von ihrer charismatischen Mutter Srbijanka Turajlić, einer ehemaligen Mathematik-Professorin und wichtigen Figur des Widerstands gegen das Regime in den 1990er-Jahren.

In Serbien bleiben oder gehen – damals wie heute – eine Frage die Srbijanka Turajlić und Regisseurin und Tochter Mila Turajlić beschäftigt.

Während sich die Familie immer wieder auf ihr jugoslawisches Erbe zurückbesinnt, rufen Vokzählungen ethnische Zugehörigkeiten auf den Plan. Wenn die Freund*innen heute zum Abendessen kommen, klopfen sie immer noch drei Mal – wie in alten Zeiten, als dies der Code war, dass es nicht der Geheimdienst ist, der vor der Tür steht. Srbijankas Tochter Mila beginnt Fragen zu stellen, die Kamera immer bereit.

Die zugleich tiefsinnigen und amüsanten Gespräche der beiden Frauen bieten einen Einblick in die bewegte Geschichte eines Landes mit ihren Umbrüchen und politischen Veränderungen. Oft ist von bürgerlichem Engagement und der Verantwortung die Rede, die jede Generation trägt – die Verantwortung der Protagonistinnen, aber auch die der Zuschauer.

 

 

Kinotermin: 15. November 2018 ( weitere Infos folgen )

Regie und Kamera: Mila Turajlić

Schnitt: Sylvie Gadmer, Alexandra Milovanovic

Musik: Jonathan Morali

Produzentinnen: Mila Turajlić und Carine Chichkowsky

Executive Producer: Iva Plemic Divjak

Artistic Producer: Hanka Kastelicova

Produktion: Dribbeling Pictures, Survivance

Gefördert: Serbian Film Center, Aide Aux Cinemas Du Monde, Eurimages, Doha Filminstitute

Verleih: JIP film & verleih

Bald finden Sie hier Pressematerialien zum herunterladen.

Award of the Federal Foreign Office for Cultural Diversity

The Award of the Federal Foreign Office for Cultural Diversity: THE OTHER SIDE OF EVERYTHING (DRUGA STRANA SVEGA), directed by Mila Turajlić (Serbia/France/Qatar, 2017)
The Award of the Federal Foreign Office for Cultural Diversity goes to the film that shows a deeply personal story which is influenced by, but also influencing the country. The film gives a unique view into the life of a strong woman swimming against the tide. It draws attention to an important topic of today: the fragility and vulnerability of democracy. The award goes to THE OTHER SIDE OF EVERYTHING.

Weitere internationale Festivals und Vorführungen:
Screenings

Ich bin 1979 geboren und war ein Jahr alt als Tito starb. Als Milosevic an die Macht kam, war ich 11 Jahre alt, dann begann der Krieg im ehemaligen Jugoslawien und endete als ich 16 Jahre wurde. Mit 20 bombardierte uns die NATO, mit 21 wurden wir Milosevic endgültig los, mit 24 Jahren wurde unser Premierminister umgebracht und heute mit 37 Jahren möchte ich von meiner Heimat Serbien aus einem sehr persönlichen Blickwinkel erzählen. Von dem Ort, von dem ich weggegangen bin. Warum ausgerechnet darüber? Weil ich das große Glück hatte, in Serbien mit einer Frau aufzuwachsen, die sich verantwortlich fühlte für ihr Land, verantwortlich aufzustehen und über das, was in unserem Land passierte zu reden und entsprechend zu handeln. Weil meine Mutter und ich die gleiche Sprache sprechen, wenn es um Politik geht. Sie war eine Studentenführerin in 1968 – ich in den 90ern. Weil meine Familie eine Anlaufstelle und Heimat für intellektuelle Diskussionen war, Aktivisten treffen sich hier oder Menschen suchten einfach nur Zuflucht vor dem ganzen Wahnsinn der damaligen Zeit. Weil unser Zuhause im Zentrum Belgrads liegt – und wegen dem, was heute in Serbien passiert.
Denn, um so mehr ich auf die verschlossene Tür in unserem Wohnzimmer starrte, die ich mein ganzes Leben vor Augen hatte, um so klarer wurde mir, dass man vieles über Serbien verstehen kann, wenn man über getrennte Räume spricht. Räume zwischen denen, die die Vergangenheit neu schreiben wollen und denen, die sie anerkennen wollen. Es war auch eine Möglichkeit das Leben meiner Mutter zu verstehen, ihre Versuche, Brücken über die trennenden Gräben in unserem Land zu bauen.
Mit der Zeit wuchs in mir das Gefühl, dass der persönliche Impuls der für unser Handeln ausschlaggebend ist, nicht inspiriert wird von hochtrabenden Idealen wie Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit. Es sind die kleinen Dinge, die einen hohen persönlichen Stellenwert besitzen. Wir handeln, um das Wichtigste in unserem Leben zu schützen: unsere Familie, die Weihnachten zusammen kommt, unsere Nachbarn mit denen man aufgewachsen ist, die Bäume vor dem Haus. Unsere Wurzeln denen wir uns verbunden fühlen.
Als Bürger haben wir den gewöhnlichen, externen Zugang zu Geschichten über den politischen Kampf. Proteste finden im öffentlichen Raum statt und die Demonstrationen in den Straßen und die inspirierenden Reden sind eine Gruppenerfahrung.
Ich musste einen Film darüber machen, und wie es ist, als Tochter einer sehr exponierten politischen Aktivistin und Professorin aufzuwachsen, wobei der private Dialog zwischen meiner Mutter und mir die erzählerische Leitlinie sein sollte. Ich wollte zum Herzen des bürgerlichen Aktivismus vordringen, zum Engagement als intime Handlung und eine persönliche Rechenschaft ablegen, denn wir wählen, wie wir unser Leben gestalten.

MILA TURAJLIC
Geboren 1979 in Belgrad. Sie hat einen Abschluss in Politik und Internationale Beziehungen von der London School of Economics. Mila spezialisierte sich an der La Fémis auf Dokumentarfilme, ist Almuni von EURODOC, Berlin Talent Campus, Discovery Campus, lehrt am Archidoc und dem Balkan Documentary Center. Seit 2005 ist sie Mitglied des “Magnificents 7 Festival of European Documentary Films” in Belgrad sowie Gründerin und erste Präsidentin von DokSerbia, des Verbands der Dokumentarfilmmacher*innen in Serbien.

Filmtitel: The Other Side of Everything
Filmtitel Deutsch: Die andere Seite von allem
Filmgattung: Dokumentarfilm
Produktionsland: Serbien, Frankreich, Qatar
Produktionsjahr: 2017
Länge: 104 min
Bildformat: DCP, farbe
Ton: Dolby Digital
Sprachfassung: OV/ Deutsche UT
Vorführformat: DCP
FSK: 0 beantrag

Srbijanke Turajlić

 

Produktion:
Dribbling Pictures

http://dribblingpictures.com/

Coproduktion:
Survivance

http://www.survivance.net/

HBO Europe mit ARTE/WDR

Empfehlung für den Unterricht:
Altersempfehlung: ab 10. Klasse (Alter 14 Jahre)
Unterrichtsfächer: Sozialkunde, Gesellschaftskunde, Geschichte

Themen/ Tags: Serbien, Kroatien, Jugoslavien, Balkan, Europa, Demokratie, Kommunismus, Revolution, Geschichte, Diktatur, Aktivismus, Frauen, Balkankrieg, Konflikte, Generationen,

Kontakt: Bei Interesse an einer Schulkinoveranstaltung können Sie sich entweder direkt an ein Kino in ihrer Nähe wenden oder Sie schreiben uns eine Email: info@jip-film.com oder rufen an: 069- 805 322 73